Machtinstrument Datenhandel

Quele: macsolution

Mein heutiger Artikel handelt von einem Thema, mit dem jeder von uns immer wieder in Berührung kommt. Die Rede ist vom „Datenhandel“ und seinen darauffolgenden systematischen Auswirkungen auf unsere persönliche Wirklichkeit. Doch woraus setzt sich der Begriff Datenhandel eigentlich zusammen? In welcher Weise betrifft er jeden Einzelnen? Und welchen Einfluss könnte er auf unsere subjektive Wahrnehmung haben? Diese Fragen habe ich systematisch untersucht. Dazu habe ich eine tiefgehende Recherche zu diesem Thema gestartet. Die Idee, diesen Artikel zu verfassen, kam mir, als ich mir vor ein paar Wochen die Dokumentation namens „Cambridge Analyticans großer Hack“ ansah. Hier wurde gezeigt, wie spezialisiert sich das Geschäft mit den Daten mittlerweile umsetzten lässt. Die Dokumentation handelt vom Unternehmen „Cambridge Analytica“. Dabei handelt es sich um eine amerikanische PR-Agentur. Das Unternehmen ist vor allem dafür bekannt, dass sie damals beim Wahlkampf von „Donald Trump“ aber auch in den Anfängen des „Brexit-Deals“ eine entscheidende Rolle spielte. Ich würde diesen Artikel gerne mit einem Zitat einer ehemaligen Mitarbeiterin von Cambridge Analytica und darauffolgende Whistleblowerin „Brittany Kaiser“ einleiten:

„Wir bombardierten sie über Blogs, Webseiten, Artikel, Videos, Anzeigen – jede Plattform, die zur Verfügung stand -, bis sie die Welt so sahen, wie wir es wollten. Und bis sie für unseren Kandidaten stimmten.“ – Brittany Kaiser

Der Weg der Daten

Organisationen sammeln Daten, die sich im Nachhinein zu einer handelbaren Ware transformieren lassen bzw. welche zu internen Marketingzwecken verwendet werden können. In Österreich spricht man oft noch vom „Adressenhandel“. Die Erfindung des Computers machte es jedoch möglich, mehr als nur Adressen auszuwerten. Anfangs war es nur möglich Adressen, Namen, Berufsstand etc. zu sammeln, doch heutzutage sind Daten wie Kaufverhalten oder auch politische Einstellung Gold wert.

Bei der Datensammlung werden von Bürgern sogenannte Identitätsprofile auf der Grundlage von persönlichen Präferenzen, Einstellungen, Kaufentscheidungen und auch sehr sensiblen Daten, wie zum Beispiel der politischen Einstellung oder der Sexualität erstellt. Identitätsprofile können im Anschluss für allerlei Werbezwecke eingesetzt werden. Zum Beispiel wird es möglich, kinderleicht zielgruppenorientiert Werbung zu schalten. Ist etwa die politische Einstellung von einem bestimmten Personenkreis bekannt, so können gezielt Kampagnen geschalten werden, welche die Einstellung der Person widerspiegelt. Diese Art der Werbung kann einerseits verwendet werden, um Personen mit einer anderen politischen Gesinnung für sich zu gewinnen und andererseits, um Unentschlossene an sich zu binden.  Doch welche Schritte durchlaufen Daten, bis sie zu sogenannte Identitätsprofile zusammengefasst werden können?

  1. Daten sammeln
    Im ersten Schritt werden Quellen benötigt, durch welche man an Daten kommt. Dafür eignen sich etwa Newsletter-Anmeldungen, Registrierungen auf Webseiten, Gewinnspiele, öffentliche Register, Handy-Apps, Treuepunktesysteme etc.
  2. Daten verketten
    Die gesammelten Daten werden anschließend verkettet. Es entsteht ein sogenannter Steckbrief einer Person. Das Datenprofil bekommt also schon eine gewisse Struktur.
  3. Daten auswerten
    Die verketteten und strukturierten Daten werden in diesem Schritt analysiert und ausgewertet. Das Profil ist sozusagen komplett und kann als fertige Ware gesehen werden.
  4. Der Handel
    Die Daten können entweder intern für Marketingzwecke verwendet werden oder sie werden an Externe verkauft, verleast oder vermietet. (addendum)

Das Beispiel „Österreichische Post AG“

Um euch ein Beispiel zu zeigen, wie so ein Prozess in der Praxis aussieht in Österreich, habe ich eine interessante Grafik von der Projektgruppe „addendum“ gefunden. Diese Projektgruppe engagiert sich in Österreich für einen unabhängigen und objektiven investigativen Journalismus. Hier wird illustriert, welchen Weg die Daten in Österreich am Beispiel „Österreichische Post AG“ und weiteren großen Dateninhabern gehen. Die „Österreichische Post AG“ (gelber Kreis) erhält und schickt Daten an andere Händler. Adresshändler generieren Daten aus verschiedensten Quellen (graue Kreise) oder aus direkten Eingaben durch User (violette Kreise). Die türkisenen Kreise stellen die Empfänger des Endproduktes (Identitätsprofil) dar. Etwa liegen die Kosten bei der „Österreichischen Post AG“ für die einmalige Nutzung eines einfachen Datenprofils bei etwa 0,09 EUR. Benötigt man ein komplettes Identitätsprofil, steigen die Kosten dementsprechend an.

Quelle: addendum

Das Beispiel Facebook

Nicht zuletzt stand auch das Unternehmen „Facebook“ in den USA mehrmals vor Gericht, weil es nach offiziellen Stellungnahmen ein „Datenleck“ auf ihrem sozialen Netzwerk übersehen hatte. Dieses Datenleck führte dazu, dass Unmengen von Daten in die falschen Hände gerieten. Bei diesen Daten handelte es sich etwa um Angaben zu Likes, Aktivitäten, Kontakten sowie zur eigenen Soziodemographie und Identität. Dazu zählten auch sehr sensible Informationen wie die sexuelle Orientierung, Religion, politischen Überzeugung oder auch der Beziehungsstatus. Über die App „thisisyourdigitallife“ welche Facebook-User dazu verwenden konnten, um Persönlichkeitstests zu machen, wurden nicht nur Daten von ihrem eigenen Profil, sondern zusätzlich auch noch von ihren Facebook-Freunden gesammelt. Diese App wurde vom Universitätsprofessor „Aleksandr Kogan“ entwickelt, welcher an der Cambridge University als lehrende Person tätig ist. Heute spricht man von etwa 87 Millionen Nutzerdaten die damals vom Unternehmen „Global Science Research“ gesammelt wurden. Diese Daten wurden anschließend weiterverkauft an Cambridge Analytica.

Wie im vorherigen Datenprozess beschrieben, übernahm Cambridge Analytica somit die Rolle der Datenverkettung und entwarf aus den gekauften Daten Identitätsprofile. Dieses Unternehmen agierte als sogenannte „PR-Agentur“ und bot ihre Dienste als Dienstleistung an Politiker an. Vor versteckter Kamera prahlte bis zuletzt der Firmenchef „Alexander Nix“ mit seinen Fähigkeiten, Wahlen manipulieren zu können und dafür auch auf geheime Tricks zurückzugreifen. Doch von welchen geheimen Tricks sprach hier der CEO Alexander Nix? Die Rede ist von einem Instrument, welches sich „Microtargeting“ nennt.

Das Instrument „Microtargeting“

Microtargeting kann als datenbasiertes Marketing verstanden werden. Es werden Datenbanken angefertigt, in denen alle möglichen Datensätze über Personen dargestellt werden, welche vorher gesammelt oder gekauft wurden. Diese Methode ermöglicht es, Zielgruppen zu identifizieren und ihnen anschließend eine zugeschnittene Werbung zu liefern. In der Politik ist es nicht unüblich, dass eine solche Methode angewendet wird. Legt man die Methode auf einen Wahlkampf um, so können etwa politische Profile von Menschen erstellt werden. Diese können dazu verwendet werden, um Bürgern gezielt Informationen zu senden, auf die sie stark reagieren.

Im Wahlkampf der USA arbeitete Cambridge Analytica für das „Team Trump“. Ein ehemaliger Mitarbeiter und Whistleblower „Christopher Wylie“ beschrieb die Vorgehensweise wie folgt:

„… nun ergänzend, dass Cambridge Analytica ein ganzes Informationsökosystem von Webseiten und Blogs aufgesetzt habe, die nicht als Teil der Trump-Kampagne erkennbar waren. Sie seien genutzt worden, um Wähler gezielt mit vermeintlich unabhängigen Informationen zu versorgen, für die sie laut ihrem Profil besonders ansprechbar sind. So seien Wähler immer genau mit den Forderungen und Versprechen Trumps bespielt worden, die bei ihnen die größte Wirkung erzielen würden. Wylie selbst bezeichnet das von ihm mitentwickelte System inzwischen als „Werkzeug der psychologischen Kriegsführung“ – Christopher Wylie

Dieses Unternehmen hat jedoch nicht nur in den USA mitgemischt. Unter anderem war es essenzieller Bestandteil im Wahlkampf des kenianischen Präsidenten „Uhuru Kenyatta“ und hatte unter anderem auch einen Einfluss in Großbritannien bei der „Pro-Brexit-Werbung“. Obwohl der Einfluss dieses Unternehmens während der Wahlkämpfe nicht bewusst wahrgenommen wurde, mischten sie doch im Hintergrund mit. Dies geschah eben hauptsächlich in der unbewussten Ebene. Hatte sich der Wähler noch nicht zu 100 % entschieden, so gab es immer noch die Möglichkeit, ihn in die gewünschte Richtung zu führen. Dazu wurde Werbung auf allen nur erdenklichen Werbekanälen geschaltet.

Datenschutz Österreich: „Österreichische Post AG“

Obwohl ich grundlegend nicht sehr viel übrig hab für medial gepushten Skandalen, haben mich der Skandal der „Österreichischen Post AG“ und der Skandal von „Cambridge Analytica“ dann doch noch dazu bewogen, einen Artikel zu verfassen. Ich glaube, dass in Zeiten wie diesen, vielen Menschen sich nicht bewusst sind, wofür ihre Daten verwendet werden. Sei es für politische Zwecke oder sei es für Marketingkampagnen. Datenschutz spielt eine sehr wichtige Rolle in unserer heutigen Gesellschaft. Ohne die DSGVO (Datenschutzgrundverordnung) hätten Organisationen verschiedenster Art unbeschränkte Eingriff auf unsere persönlichen und intimen Daten.

Cambridge Analytica hat die gekauften Daten auf eine Art und Weise verwendet, die sich mit den ethischen Regeln nicht vereinbaren lassen. Ohne Zustimmung der Betroffenen wurden Identitätsprofile angefertigt, welche dazu verwendet wurden, sie unterbewusst zu beeinflussen. Auch die „Österreichische Post AG“ bewegt sich in Sache Datensammlung bereits auf sehr dünnem Eis. Die politische Einstellung von Österreichern zu sammeln, ist auch nicht die feiner Art. Deshalb hat sich die Österreichische Post AG auch mehrmals vor einem Gericht dafür verantworten müssen. Letztlich hat sich das Unternehmen dazu entschlossen die gespeicherte Parteiaffinität von etwa 2,2 Millionen Kunden aus ihren Datensätzen zu löschen. Es steht fest, dass die Post solche Daten nicht ohne Einverständnis ihrer Kunden hätte speichern dürfen. So steht es auch im § 151 der Gewerbeordnung. Ein rechtskräftiges Urteil wird jedoch erst Anfang 2020 erwartet. Hier zeige ich euch noch einem Beispieldatensatz der Post:

Quellen:

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