Vietnamkrieg – dunkle Zeiten

Der Vietnamkrieg

Mein heutiger Beitrag handelt vom schon fast vergessenen Vietnamkrieg, welcher sich von 1955 bis 1975 ereignete. Er wird auch oft unter dem Synonym „Zweiter Indochinakriege“ genannt, weil er direkt an den ersten „Indochinakrieg“ anschloss, welcher im Zeitraum von 1946 bis 1954 geführt wurde. Da es sich hier um einen der komplexesten Kriege in der Neuzeit handelt und ohne Vorwissen der Krieg nur schwer zu verstehen ist, behandle ich das Thema unter Rücksichtnahme der anfänglichen Unruhen von 1946.

Ausgangslage Kolonialmacht Frankreich

Wir befinden um im Jahre 1944. Frankreich war damals noch eine Kolonialmacht und hatte unter anderem Vietnam unter seiner Kontrolle. Der damalige Präsident der USA „Franklin D. Roosevelt“ ordnete den Sachverhalt damals folgendermaßen ein:

,,Frankreich hat dieses Land – 30 Millionen Menschen – fast 100 Jahre in seinem Besitz gehabt, und dem Volk geht es schlechter als zu Beginn. [ … ] Frankreich hat es 100 Jahre gemolken. Das Volk Indochinas verdient etwas Besseres als dies“ (Porter 1979: 6)

Eines seiner Ziele damals war unter anderem, den Vietnamesen die Unabhängigkeit und die Selbstbestimmung näherzubringen. Jedoch änderte sich die grundlegende Ausrichtung der USA mit dem Regierungswechsel als kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges der neue Präsident „Harry S. Truman“ in das Amt gewählt wurde. Nachdem der Zweite Weltkrieg am 2. September 1945 geendet hatte, wurde die Welt an die Siegermächte aufgeteilt. Folgende Aufteilung erfolgte:

Das Hauptziel der USA war nun, die Verbreitung des Kommunismus mit allen zur Verfügung stehenden Mittel einzudämmen. Daher war die USA auch nicht mehr daran interessiert, die Restauration der Kolonialherrschaft Frankreichs in Vietnam zu verhindern. Frankreich zählte eben nicht zu den kommunistischen Mächten. Folgendes Zitat macht die Sachlage deutlich:

In Washington notierte der amtierende US-Außenminister Dean Acheson: ,,Die USA denken nicht daran, die Wiederherstellung der französischen Macht in Indochina zu verhindern.“ Dies zu einem Zeitpunkt, als der anerkannte Führer der Vietnamesen, Ho Chi Minh, die Unabhängigkeit Vietnams – am 2. September 1945 – ausgerufen hatte. (Steininger, 2012)

Diese Botschaft war ziemlich klar formuliert. Somit blieben auch alle folgenden Hilfsanfragen, welche aus dem Vietnam in den USA eintrafen ohne Erfolg. Da Vietnam sich für die Unabhängigkeit aussprach und Frankreich die Entlassung aus der Kolonialherrschaft nicht zuließ, führte ein Konflikt zum nächten und endete schließlich im ersten Indochinakrieg. Die Rolle der USA in diesem Krieg war eher eine passive. Denn die USA unterstützte Frankreich laufend durch Geldleistungen. Am Ende des Indochinakrieges beliefen sich die Unterstützungen auf rund 3 Milliarden US-Dollar.

Die Anfänge des Vietnamkrieges

Wie kam es nun genau zur Überleitung in den Vietnamkrieg bzw. zweiten Indochinakrieg? Seine Anfänge nahm der Vietnamkrieg offiziell nach der abgeschlossenen „Genfer Indochinakonferenz“. Dabei ging es neben dem Indochinakrieg auch um den Koreakrieg. Die Ergebnisse der Konferenz fielen etwas nüchtern aus. Vietnam wurde entlang des 17. Breitengrades in Nord- und Südvietnam geteilt. Der Norden wurde dem kommunistisch ausgerichteten „Ho Chi Minh“ und der Süden dem unter westlichen Einfluss stehenden Präsidenten „Ngo Dien Diem“ überlassen. Nach und nach schaukelte sich der Krieg in neue Dimensionen hinein. Die USA begannen nun Militärberater in den Südvietnam zu entsenden. Damals nannte man solche Besuche „fact finding missions“. Der Nutzen daraus war klar: Es sollte ein klares Bild über die derzeitige Lage geschaffen werden. Als der Verteidigungsminister „Robert McNamara“ im Mai 1962 nach seinem 48-stündigen Aufenthalt in Vietnam nach Washington zurückkehrte, stellte er die Forderung 200.000 Soldaten in Südkorea zu stationieren. Der amtierende Präsident „John F. Kennedy“ positionierte sich aufgrund dieser Forderung folgendermaßen:

„Was wird geschehen? Die Truppen marschieren ein, die Militärmusik spielt, die Leute klatschen Beifall. Aber was dann? Nach ein paar Tagen ist das vergessen, dann heißt es: mehr Truppen. Das ist wie mit Alkohol: Die Wirkung lässt nach und dann muss man immer wieder einen Schluck nehmen“ (Karnow  1983: 253).

Wie man aus diesem Zitat herauslesen kann, war „John F. Kennedy“ gegenüber der Forderung, Soldaten in Vietnam zu stationieren, eher skeptisch. Doch nichtsdestotrotz wurde bereits im Februar 1962 ein Militärkommando namens „Military Assistance Command Vietnam (MACV)“ gegründet. Wenn man es also genau betrachtet, entschied sich die USA durch die Errichtung eines Militärkommandos bereits hier für einen potenziellen bewaffneten Konflikt in Vietnam. Die Kompassnadel richtete sich nicht nur in der Politik, sondern auch in der breiten Öffentlichkeit auf Krieg aus. Etwa hieß es damals zu dieser Zeit in der New York Times:

“Dies ist ein Kampf, dem sich das Land nicht entziehen kann.“ (Steininger, 2012)


Die USA kamen zum Entschluss, dass sich „Ngo Dien Diem“ nicht kontrollieren lässt. Somit wurde der von den USA zuvor eingesetzt Staatsmann am 1. November 1963 gestürzt und ermordet. Kurz darauf am 22. November 1963 fiel der amerikanische Präsident „John F. Kennedy“ einem Attentat zum Opfer. Die Frage ob Kennedy das Ziel hatte, das amerikanische Engagement auszuweiten, bleibt somit offen und lässt sich daher auch nicht beantworten.

Bildergebnis für kennedy attentat

Bildquelle: Spiegel

Eisiger Wind in Washington

Mit dem neu angetretenen Präsident „Lyndon B. Johnson“ wurde das amerikanische Engagement in Vietnam fortgesetzt. Denn auch Johnson hatte das Ziel, das Fortschreiten des Kommunismus einzudämmen. Anfang März 1964 äußerte sich der Nationale Sicherheitsrat in Washington auf folgende Weise:

„Ein Sieg der Kommunisten würde dem Ansehen der USA in der ganzen Welt Schaden zufügen. Der Konflikt ist ein Testfall dafür, wie die USA mit einem kommunistischen ,,Befreiungskrieg“ umgehen werden. Die gesamte US-Außenpolitik ist betroffen.“ (Steininger, 2012)

Anfang August 1964 kam es zur ersten militärischen Auseinandersetzung zwischen Nordvietnam und den USA. Der US-Zerstörer „Maddox“ wurde von nordvietnamesischen Patrouillenboote beschossen. Angeblich hatte es auch einen zweiten Zwischenfall gegeben. Doch wie heute klar ist, fand dieser zweite Zwischenfall nie statt. Auf der Grundlage des beschädigten US-Zerstörers kam es zu der fast einstimmig beschlossenen „Tonking-Resolution“. Durch sie wurde der Präsident Johnson dazu bemächtigt, alle notwendigen (auch militärischen) Schritte einzuleiten, die dazu dienen, Südvietnam zu unterstützen. Es stand nun auch immer wieder zur Debatte, dass die Ehre der gesamten USA auf dem Spiel stehe. Harte Worte kamen vom einstigen Senator „Ernest Gruening“:

„Ganz Vietnam ist nicht soviel wert wie das Leben eines einzigen Amerikaners.“ (Steininger, 2012)

Hier wurde erstmals klar, wie sehr der Kampf zwischen dem Westen und dem Kommunismus schon fortgeschritten war.

Die totale Eskalation

Am 7. Februar 1965 erfolgte ein schwerer Angriff durch Nordvietnam gegen eine amerikanische Kaserne in Pleiku. Darauffolgend folgte eine Operation namens „Flaming Dart“ durch die USA. Die USA zerstörten mittels ihrer Luftwaffe einige Ziele in Nordvietnam. Am 10. Februar 1965 kam es erneut  zum Angriff durch den Vietcong (Nordvietnam) in Quy Nhon. Dabei wurden 23 amerikanische Soldaten getötet und 20 verwundet. Im Gegenzug orderte Johnson die Operation „Donnergrollen“. Insgesamt flogen die US-Luftwaffen 304.000 Einsätze in Nordvietnam. Davon waren 2.083 Einsätze B-52-Angriffe. Zusammengerechnet wurde hier mehr Bomben abgeworfen als im gesamten Zweiten Weltkrieg. Die Bombardierung des Nordvietnams endete erst am 30. Oktober 1968 und forderte neben toten Soldaten auch Unmengen von zivilen Opern. Am 8. März 1965 wurden infolge 3.500 voll ausgerüstete amerikanische Bodentruppen stationiert. Bereits Ende Juli wurde die Anzahl der Bodentruppen auf 180.000 erhöht.

Bildquelle: kritisches-netzwerk.de

Der Vietnamkrieg wurde unter einem Deckmantel einer eiskalten Kriegspolitik geführt, denn laut dem Oberbefehlshaber General „William C. Westmoreland“ lautete die Devise:

  1. aufspüren
  2. vernichten
  3. die Toten zählen
  4. weiterziehen

So wie der Krieg angefangen hatte, wurde er auch bis zum Ende der Präsidentschaft von Johnson fortgesetzt. Dieses derart aggressive Handeln brachte ihn letztendlich um seine Wiederwahl. Denn weder die amerikanische Bevölkerung, noch die öffentlich rechtlichen Medien hießen eine solche Kriegsführung für Gut. Nach der groß angelegten „TET-Offensive“ im Jahre 1968 wurde mittlerweile klar, dass dieser Krieg ein reines Prestigeprojekt seitens der USA zu sein scheint. Rufen wir uns noch einmal den Satz des Senators „Ernest Gruening“ in Erinnerung:

„Ganz Vietnam ist nicht soviel wert wie das Leben eines einzigen Amerikaners.“ (Steininger, 2012)

Bedingter Frieden in Sicht

Bildergebnis für richard nixon
Bildquelle: MSNBS

Nachdem „Lyndon B. Johnson“ sich nicht mehr zur Wiederwahl stellte, wurde „Richard M. Nixon“ zum neuen Präsident der USA gewählt. Er gab der amerikanische Bevölkerung das Versprechen, sich für die Beendigung des Vietnamkrieges einzusetzen. Jedoch zeigte sich kurz nach seiner Wahl, dass dem nicht so ist. Nixon wollte den Krieg gegen Nordvietnam gewinnen. Somit war er der Überzeugung, dass eine Ausweitung des Krieges eine positive Folge für die USA haben könnte. Er ordnete im Geheimen insgesamt über 14 Monate hinweg 3.630 Bombenangriffe an. Des Weiteren wurde in der Präsidentschaft Nixon ein neuer „actionplan“ aufgestellt. Dieser lautete „Duck Hook“ und stellte sich folgendermaßen zusammen:

  1. Invasion Nordvietnams
  2. Systematische Bombardierung der Deiche
  3. Vollständige Zerstörung Hanois und Haiphongs
  4. Eventueller Atombombeneinsatz (Herring, 2002)

Es schien so, als ob dieser „actionplan“ von der amerikanischen Bevölkerung nicht für gutgeheißen wurde. Es hatte sich eine Antikriegsbewegung in der USA gebildet, welche den Ausstieg aus dem Vietnamkrieg forderte. Als Nixon 1970 den Befehl gab, in Kambodscha einzumarschieren, kam es zur größten Antikriegs-Demonstration zu dieser Zeit. Dabei wurden am 4. Mai vier Studenten von der Nationalgarde erschossen. Das Verhalten der amerikanischen Regierung hatte aber nicht nur direkte Auswirkungen auf die Bevölkerung, sondern auch auf die Moral der in Vietnam stationierten Soldaten. Versprochen wurde den meist jungen Soldaten, dass sie für die Ehre des amerikanischen Volkes kämpfen. Doch schnell stellte sich heraus, dass sie in einer gewissen Weise getäuscht wurden. Denn viele der damaligen Soldaten empfanden diesen Krieg gegen Ende als nicht mehr notwendig. Es kam zu Befehlsverweigerungen, zu Tötungen der eigenen Offiziere und Unteroffiziere und zum Drogenkonsum.

Verhandlungen

Nun waren die Amerikaner an einem Punkt angelangt, wo sie allmählich begannen die Reißleine zu ziehen. Es wurden die „Pariser Geheimgespräche“ zwischen dem nordvietnamesischen Politiker „Nguyen Van Thieu“ und dem amerikanischen Außenminister „Henry Kissinger“ geführt. Das Produkt aus diesen Gesprächen war ein Abkommen, welches folgende Punkte beinhaltete:

  • Abzug der amerikanischen Truppen
  • Auslieferung der amerikanischen Kriegsgefangenen durch Hanoi

Dies war ein Meilenstein im Vietnamkrieg, doch wurde diese Vereinbarung vom südvietnamesischen Ministerpräsident abgelehnt. Darauffolgend wurde Nordvietnam dazu aufgefordert, Truppen in ihr Land zurückzurufen und die Grenze zwischen Nord- und Südvietnam zu respektieren. Diese Forderung wurde auch abgelehnt, da sich Nordvietnam weigerte, den diskutierten Sachverhalt so hinzunehmen. Seitens des Nordvietnam wurde schließlich der Rücktritt von „Nguyen Van Thieu“ gefordert. Nachdem die amerikanische Regierung keine Einigung auf dieser Ebene gesehen hatte, bombardierten sie erneut Nordvietnam. Nixon ordnete Operationen der Luftwaffe an. Erneut wurden Unmengen von Bomben auf vietnamesischen Boden abgeworfen.

Am 8. Januar 1973 wurden die Friedensgespräche zwischen „Henry Kissinger“ und „Le Duc Tho“ wieder aufgenommen. Die folgenden 7 Tage waren die wichtigsten Tage in der gesamten Geschichte des Nordvietnamkrieges. Es wurde der Frieden zwischen Nord- und Südvietnam ausgehandelt. Somit war auch der Krieg bedingt vorbei. Zumindest war er für die USA vorbei. Im Land Vietnam an sich wurde der Krieg noch bis 1975 weitergeführt. In dieser Zeit erlebte der amerikanische Präsident den Fall durch die sogenannte Watergate-Affäre (missbräuchlich Machtausübung durch Nixon). Die Bilanz des Krieges lautet laut (Steininger, 2012) wie folgt:

Amerikanische Seite:

  • 58.137 amerikanische Soldaten ließen ihr Leben
  • 304.704 amerikanische Soldaten wurden verletzt
  • 6.665 davon erlitten Amputationen
  • 33.000 davon blieben gelähmt
  • 500.000 – 700.000 Veteranen litten und leiden unter dem post-traumatischen Stresssyndrom
  • Eine hohe Anzahl von Veteranen beging Selbstmord

Vietnamesische Seite:

  • Ein komplett verwüstetes Land. Am Ende viermal so viele Bombenangriffe wie im gesamten Zweiten Weltkrieg
  • Eine Million südvietnamesische Soldaten ließen ihr Leben
  • Zwei Millionen Zivilisten ließen ihr Leben
  • Zwei Millionen Menschen wurden verstümmelt
  • Durch den Einsatz von „Agent Orange“ (giftiges Entlaubungsmittel) kommt es auch heute noch zu Krebserkrankungen und Missbildungen bei Neugeborenen

Quellen:

  • Kissinger, Henry A. (1979): Memoiren 1968–1973, München: Bertelsmann Verlag.
  • Steininger, Rolf; Jäger, Thomas ; Beckmann, Rasmus (2012), Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften; Handbuch Kriegstheorien, pp.427-437
  • Porter, Gareth (1979) (Hg.): Vietnam: A History in Documents, New York, NY: New American Library.
  • Karnow, Stanley (1983): Vietnam: A History, New York, NY: The Viking Press.
  • Herring, George C. (2002): America’s Longest War: The United States and Vietnam, 1950–1975, New York, NY: McGraw-Hill.
  • Leikauf, Roland (2016), Welcome to my Bunker; Berlin : Walter de Gruyter GmbH

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