Überwachungsstaat DDR – „Stasi“

Die Bildung der DDR

Wir befinden uns im Jahre 1945. Der Zweite Weltkrieg ist so gut wie vorbei und es zeigt sich ein unvergessliches Bild der Verwüstung in ganz Europa. Die Bilanz des Zweiten Weltkriegs: 55 Millionen Menschen ließen ihr Leben. Am 7. Mai 1945 kam es zum lang erhofften Ende dieser Kriegstreiberei. Generaloberst Alfred Jodl unterzeichnete im Hauptquartier des General Dwight D. Eisenhower (Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte in Europa) die bedingungslose Kapitulation des deutschen Reiches. Diese Vereinbarung trat schließlich am 8. Mai 1945 in Kraft und verpflichtete das Deutsche Reich, alle Waffen niederzulegen.

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Es folgte ein Veränderungsprozess des ehemaligen Deutschen Reiches, welcher ein geschichtliches Ausmaß der Sonderklasse annahm. Über die Jahre hinweg – zwischen 1945 und 1949 – setzte eine Art Revolution ein. Angefangen bei der sozialen Struktur des Landes, bis hin zur Rechtsordnung, dem Bildungswesen und der Lebenskultur, riss der Wandel nahezu alle Lebensbereiche in seinen Bann. Diese Zeit könnte auch als Inkubationszeit der „Deutschen Demokratischen Republik“ (DDR) verstanden werden, welche schließlich im Jahre 1949 ins Leben gerufen wurde. Im April 1946 schlossen sich die SPD und die KPD zu einer gemeinsamen Partei zusammen. Diese Partei wurde unter dem Namen „Sozialistische Einheitspartei Deutschlands“ (SED) bekannt und nahm anschließend über Jahrzehnte eine Vormachtstellung in der politischen Landschaft von Deutschland ein. Schon bald stellte sich jedoch heraus, dass die so für sinnvoll verstandene Vereinigung lediglich einen verlängerten Arm der damaligen Sowjetunion darstellte. Die Sowjetunion zählte damals gemeinsam mit Großbritannien, USA und Frankreich zu einer der vier Siegermächte des Zweiten Weltkriegs und war unter anderem auch an einer dominanten Stellung innerhalb Deutschlands und somit in mitten von Europa interessiert. Sie waren mitverantwortlich für die Befreiung Deutschlands von der nationalsozialistischen Diktatur am Tage der Unterzeichnung der Kapitulationserklärung. Die SED war politisch gesehen eine Mischung aus zwei verwandten Ideologien. Einerseits schmückte sich die Partei unter den Deckmantel der Sozialdemokraten und andererseits war die Partei mit kommunistischen Fäden durchzogen.

Es dauerte nicht lange, bis sich eine dominante politische Ideologie herauskristallisierte. Den Parteimitgliedern der SPD wurde vorgegaukelt, in der SED eine sozialdemokratische Linie vorzufinden. Doch eigentlich war schon vor der Vereinigung dieser zwei Parteien besiegelt, dass die Zukunft der DDR mit kommunistischen Parolen einhergehen würde. Dies wurde unter anderem durch die Gründung der „Sowjetischen Militäradministration in Deutschland“ klar. Diese Administration wurde im Juni 1945 gegründet und stelle de facto zu dieser Zeit die oberste Besatzungsbehörde – im weiteren Sinne die Regierung – dar. Als einigen Funktionären der SPD klar wurde, in welch misslicher Lage sie sich befinden, wetterten sie gegen die Vereinigung der Parteien. Obwohl die SPD an der Zahl die größere Partei war, drohte bei Widerstand gegen diesen Zusammenschluss die Verhaftung und Auslieferung an die damalige sowjetische Geheimpolizei. Zu Zeiten Stalins kann man davon ausgehen, dass mit einer unvorstellbaren Härte vorgegangen wurde. Gefangen genommene politisch Andersdenker wurden damals in sogenannten Zuchthäusern festgehalten. All dies gibt Aufschluss über die Gründung der DDR – welche Geschehnisse zur Staatsbildung führten, welche politische Ausrichtung das Land anpeilte, und auch, welches langfristige Ziel das Land unter stalinistische Flagge verfolgte.

Der Aufbau des Sozialismus

Nachdem die Gründung des Staates vollzogen war, folgte nun eine politische Neuausrichtung, welche das Land wieder nach vorne blicken ließ. Angekündigt wurde die Veränderung von Walter Ulbricht. Dieser Staatsmann war der Generalsekretär der SED und somit an der Spitze der Partei. Sein Plan war es, die DDR nach sowjetischem Vorbild – den Staat unter Führung des Sozialismus – aufzubauen. Ein Zitat aus seiner Rede von der Parteikonferenz im Juli 1952:

“In Übereinstimmung mit den Vorschlägen aus der Arbeiterklasse, aus der werktätigen Bauernschaft und aus anderen Kreisen der Werktätigkeit hat das Zentralkomitee der Sozialistischen Einheitspartei beschlossen, der zweiten Parteikonferenz vorzuschlagen, dass in der Deutschen Demokratischen Republik der Sozialismus planmäßig aufgebaut wird.“ (Wolle, 2004)

Ab diesem Zeitpunkt wurde klar, welchen Weg die DDR einschlagen würde. Alle Voraussetzungen für den Aufbau eines sozialistischen Staates waren gegeben:

  • Enteignung der Großgrundbesitzer
  • Verstaatlichung der Industrie
  • Macht in den Händen der Partei
  • Massenorganisationen entmündigt
  • Gewerkschaften entmachtet
  • Presse und Rundfunk als Instrument zur Propaganda
  • Abweichende Meinungsträger wurden verfolgt und bestraft (Wolle, 2004)

Wenn wir alle diese Bulletpoints in einen Trichter hineinwerfen und vermischen, kommt am Ende ein gut durchdachter und präzise geschmiedeter sozialistischer Staat heraus. Auf gut Deutsch: Entmachtung aller Organisationen, Verbände etc. um alle Macht auf den Staat zu zentralisieren. Eine solche Regierung hat schon gewisse Züge einer totalitären Diktatur.

Um die Machtausweitung zu legitimieren, wurde bereits bei Jugendlichen damit angefangen, sie der Staatslehre passend zu formen. Dies wurde umgesetzt durch die Gründung der „Freiheitliche Deutsche Jugend“ (FDJ) im Jahre 1946. Des Weiteren benötige die SED ein Instrument, um den Schutz des sozialistischen Staates zu gewährleisten. Was würde sich dazu besser eignen, als die Installation eines Geheimdienstes, welcher sich dazu verpflichtet, alle Andersdenkenden zu verfolgen und zu bestrafen. Getarnt unter dem Mantel des Schutzes geschah dies durch die Gründung des „Ministeriums für Staatssicherheit“ (kurz: MfS) im Jahre 1950.

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Die folgenschwere Entwicklung

Das MfS sah seine Hauptaufgabe darin, die Bevölkerung zu Gehorsam zu erziehen. Das System war zwar anfangs noch nicht wirklich ausgereift, doch mit der Zeit lernte der Geheimdienst, mit welchen Mitteln er das Volk am besten im Griff hat. Die bekannteste Praktik, die auf das MfS zurückzuführen war, war der Einsatz von inoffiziellen Mitarbeitern. Doch was genau waren inoffizielle Mitarbeiter? Wie der Name schon sagt, handelte es sich hier nicht um direkte Angestellte. Diese Anstellungsverhältnisse entstanden meist unter einem Vorwand. Viele, die diese Tätigkeit ausübten, wurden seitens des MfS unter Druck gesetzt. Es gab jedoch auch einige, welche von den politischen Parolen überzeugt waren. Hierfür könnte die Freiheitliche Jugend Deutschland als sogenannter Rekrutierungsstelle gesehen werden. Die Anzahl der Inoffiziellen Mitarbeiter lag laut dem BStU zwischen 1950 und 1989 bei ca. 620.000. Bei einer Bevölkerungszahl von 16.11 Millionen ergibt das einen Anteil an inoffiziellen Mitarbeiter von gerundet 3,8 %.

Die Aufgabe der inoffiziellen Mitarbeiter war die Bespitzelung der eigenen Familie sowie von Freunden oder auch Arbeitskollegen. Ziel war es, brisante Informationen, die nicht im Einklang mit dem Staatsverständnis (Sozialismus) waren zu sammeln, um dementsprechende Sanktionierungen direkt an der Person vorzunehmen. Dabei wurde keine Rücksicht auf das Individuum an sich genommen. Die Menschlichkeit an sich wurde mit den Füßen getreten. Wer sich nicht dem Rahmen der neuen gesellschaftlichen Regeln anpasste, wurde hart rangenommen. Das Buch 1984 von George Orwell beschreibt diese Art von Herrschaft mit folgendem Wort: „Gedankenpolizei
Dieser Begriff ist prägend für die damalige DDR. Denn die Überwachung des Staates ging so weit, dass allein der Gedanke an die Kritik der Staatsform theoretisch ein Verbrechen darstellte.

 Strafen wurden etwa für „unmoralisches Verhalten“, „Befehlsverweigerung“, „Republikflucht“, „Feindorganisationen“ (alle Organisationen, die der sozialistischen Färbung nicht gerecht wurden) und weiteren bizarren „Verbrechen“ verhängt. Um aufzuzeigen, wie moralisch verwerflich die Praktiken des MfS waren, zeige ich einen Ausschnitt aus einem wissenschaftlichen Bericht, welcher sich auf die Auswertung der hinterbliebenen Stasi-Akten bezieht. Der Bericht wurde verfasst von Dr. Karsten Jedlitschka. Der Ausschnitt lautet wie folgt:

„Besonders eindringlich ist der Fall des MfS-Majors der Bezirksverwaltung Schwerin, Sylvester Murau (1907–1956). Murau war im Frühjahr 1954 über West-Berlin ins Hessische Heubach geflohen. Im Oktober bot seine 21jährige Tochter dem MfS ihre Zusammenarbeit an. Umgehend ergriff man die Chance und legte den Operativen Vorgang (OV) „Lump“ an – den Plan zur „Zurückführung“ des Flüchtigen, im Stasi-Jargon als „Ziehung“ bezeichnet. Die Tochter, alias „IM Honett“, diente als Lockvogel. Bei einem Besuch in Hessen gelang es ihr, zusammen mit zwei westdeutschen Kriminellen, den nach einer durchzechten Nacht willenlos Gewordenen über die Grenze zur DDR zu schaffen. Dort warteten bereits die ehemaligen Kollegen. Murau wurde wegen „Verbrechen gegen Art. 6 der Verfassung der DDR“ (Spionage/Staatsverbrechen/Fluchthilfe) der Prozess gemacht, am 22. Februar 1956 fiel das Todesurteil. Ein Gnadengesuch wurde abgelehnt. Vor der Exekution habe Murau, so der Bericht der Staatssicherheit, einen „verbissenen Eindruck“ gemacht und sich „ablehnend und widerspenstig“ gezeigt. Am 16. Mai 1956 endet das Leben des 49jährigen unter dem Fallbeil. Die Staatssicherheit hatte unmissverständlich deutlich gemacht, was Verräter aus den eigenen Reihen erwartete.“(Jedlitschka, 2012)

Dieser Fall ist nur einer von tausenden, doch macht ziemlich deutlich klar, mit welchen harten Mitteln damals Fehlverhalten sanktioniert wurde.

Quellen:

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